Wie in vielen anderen Berliner Schulen wurde am Dienstag in vielen Lerngruppen der Thomas-Mann-Grundschule Fünf vor Zwölf der Unterricht beendet. Während die Kinder von einigen Kolleginnen und im Freizeitbereich (Dank an unsere Erzieher!) weiter betreut wurden, nahm eine größere Delegation an der Kundgebeung in Mitte teil.
Gründe für den Streik ließen sich etliche aufzählen. Wie in vielen anderen Berufsfeldern auch, haben sich in den letzten zehn (und mehr) Jahren die Arbeitsbedingungen kontinuierlich verschlechtert: immer mehr Aufgaben müssen von immer weniger Personal bewältigt werden. Aber in kaum einem anderen Beruf ist die körperliche und vor allem geistige Verschleißquote so alarmierend gestiegen. Lehrer stehen ständig kurz vor dem Burnout, weil sie nämlich trotz der quantitativ steigenden Anforderungen auch noch versuchen, ihren eigentlichen Beruf qualitativ anspruchsvoll auszuüben. Denn das ist das eigentlich Perfide: am Ende geht alles zu Lasten der Kinder, zu Lasten einer guten Bildung. Darunter verstehen wir nicht nur, dass unsere Schüler ordentlich multiplizieren können, sondern auch, dass sie ihre Schule als einen freundlichen und stressfreien Ort erleben, wo man für jedes Kind die nötige Zeit hat und somit jedem das Leben und das Lernen zur Freude wird.
Durch den Streik sind ein paar Stunden ausgefallen - das ist natürlich schade. Setzt man diese allerdings mit der Zahl der über 1000 dauerkranken Berliner Lehrer ins Verhältnis, die unter anderen Bedingungen vielleicht noch froh ihre Arbeit verrichten könnten ... Wir alle arbeiten gern als Lehrer und möchten das auch noch möglichst lange tun.
Dafür sind wir heute auf die Straße gegangen.
Wir danken den Eltern, die uns Mut zusprachen und sich solidarisch zeigten.
Frank Weingärtner
Klassenleiter Eichhörnchen